Vogelmayer

Vogelmayer zeigt den Vogel

Die Konzertreihen sind gut besucht, der Songwriter bringt viel Spaß, aber auch Nachdenklichkeit mit seinen Heimatwitzen und derbkritischen Liedern auf die bayerischen Kleinkunstbühnen.

Es müssen schon mal Bierbänke und Tische aufgestellt werden, damit alle Platz bekommen und der Niederbayer sich wie zuhause fühlen kann. Bevor er sich Thomas Mayer alias „Vogelmayer“ mit dem Lied „Howedere“ vorstellt, lässt er zunächst ein paar Witze zur Auflockerung vom Stapel. Mehr als zwei Stunden begeistert der Liedermacher mit seiner Gitarre die Zuhörer dermaßen, dass sie am Ende des Kabarettabends auch noch Zugaben herbeiklatschen. Was dem Publikum so außerordentlich gefällt, war die Mischung aus Gaudi und zeitkritischen Botschaften in einer immer verrückter werdenden Welt.

„DAHOAM“ ist die aktuelle Tour von „Vogelmayer“ benannt, den Spiegel hält er in der Tat dem Publikum vor und provoziert es gleich zu Beginn seines Auftritts mit einem Lied, in dem er krass im Pegida-Stil die Ausländer beschimpft, um dann am Schluss zu sagen: „Respekt vor den anderen, des ist des, wos gscheid fehlt.“ Zum Kontrastprogramm gehört seine Heimatliebe: „Do wo d’Weißwürscht wohnen, do bin i dahoam, do wo‘s Bier no Nationalgetränk is“, singt er in seinem Song „Dahoam“, der auf dem vorletzten Münchner Oktoberfest für Stimmung sorgte.

Dann wird wieder liedhafte Attacke geritten, wo es immer wieder hochironisch und im reinsten niederbairisch um Vaterland, Tradition, Proteste, Proleten, Schwule, Zigeuner, Bimbos, Satanisten, Islamisten und andere Kanaken geht, dass einem der Atem stockt. Perverse und Kranke begrüßt er in einem seiner Lieder ebenso wie alle Verrückten und Irren, Kinderschänder, Psychos und Politiker und gibt auf diese Weise den grassierenden Vorurteilen der Spießer eine entlarvende Stimme.

Dabei singt und textet die neue Liedermacher-Hoffnung aus Niederbayern nicht alles in Grund und Boden wie sein früheres Idol Hans Söllner, von dem er sich inzwischen emanzipiert hat. Er verteufelt keine Politiker aus Prinzip: „Liaba wähl’n ma Menschen, de Fehler ham, als de, die koane Menschen mehr san.“ Vogelmayer greift in seinen Liedern lieber grundsätzliche Missstände auf wie die Radikalisierung der Welt, mangelnde Bildung und Umweltverschmutzung. Solch schwere Kost verpackt er musikalisch in wenige Akkorde und derben Humor und sorgt zudem aus seinem gewaltigen Witze-Fundus immer wieder für Erholungspausen. Niederbairische Wirtshauskultur hat mit dem „Vogelmayer“ Einzug auf so mancher Kleinkunstbühne gehalten.